Erhebungsmethoden


Erhebungsmethoden

Methoden zur Erhebung von Mobilitäts- und Verkehrsverhalten umfassen Befragungen, Zählungen, die Nutzung von Sekundärdaten sowie Methoden zur Synthese der verschiedenen Datenquellen. Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Weiterentwicklung von Befragungsmethoden sowie auf der Analyse von erhobenen Daten. Wir befragen schriftlich, persönlich, telefonisch und online, haben Erfahrung in der Ziehung repräsentativer Stichproben. Wichtig ist uns die Integration GPS-gestützter Technologien in die Befragungsmethoden, um die Qualität der erhobenen Daten zu verbessern, die Befragungslast und die damit verbundenen Kosten zu mindern und Längsschnitterhebungen zu ermöglichen.

Laufende Projekte:

AEIOU - Anwendungsmöglichkeiten, Erfahrungen, Mehrwertgenerierung und Indikatorenbildung auf Basis von „Oesterreich Unterwegs“

Die vorliegende Studie zielt auf eine kritische Analyse und anwendungsorientierte Aufarbeitung der Ergebnisse der österreichweiten Mobilitätserhebung „Österreich Unterwegs“ des bmvit ab, die bestehende Wissensgrundlage wird dabei so aufgearbeitet, dass die konkrete Anwendbarkeit der Ergebnisse möglichst hoch wird. Durch die aktive Mitarbeit zweier Projektpartner an der Erhebung besteht die Möglichkeit, diese möglichst zeiteffizient und aus der Insiderperspektive darauf zu prüfen, welche (neuen) Anwendungsmöglichkeiten die vorliegenden Daten bieten und welche Forschungsfragen sie tatsächlich beantworten. Die beiden weiteren, externen Projektpartner bringen eine kritische Außensicht ein und ermöglichen eine Praktikabilitäts- und Usability-Prüfung der Datensätze aus NutzerInnen-Sicht, welche unter anderem auch der Entwicklung eines Indikatoren-Sets als Evidenzbasis für politische EntscheidungsträgerInnen dienen wird. Darüber hinaus wird das Aufzeigen von Möglichkeiten zur Mehrwertgenerierung (z.B. durch Verschneidung und Ergänzung mit Daten aus anderen Quellen) den Nutzen für möglichst viele Datenanwendungen weiter maximieren.

Bewertung von Reisezeiten: Daten und Modelle für Aktivitäten

Die Messung und Bewertung von Reisezeit ist eines der wichtigsten Themen der Verkehrswissenschaften. Kosteneinsparungen durch Reisezeitgewinne sind ein zentrales Element der Bewertung von Infrastrukturinvestitionen. Zentrale Kritikpunkte an den derzeit verwendeten Methoden zur Bewertung von Reisezeiten sind die ungenügende Berücksichtigung der Tatsache, dass zumindest ein Teil der durch direktere Verbindungen oder höhere Geschwindigkeiten eingesparten Reisezeiten wieder in Wegezeiten re-investiert wird (Hypothese eines konstanten Reisezeitbudgets); die Einbeziehung auch sehr kurzer Reisezeitreduktionen unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, sowie Inkonsistenzen zwischen Methoden zur Modellierung und Bewertung von Reisezeiten.
Das Ziel dieses Projekts ist es, vorhandene Methoden zur Bewertung und Modellierung von Zeitnutzung weiter zu entwickeln. Neben den eigentlichen Reisezeiten sollen auch nicht verkehrliche Aktivitäten berücksichtigt werden. Die empirische Messung der offenbarten Präferenzen erfolgt mit einer Kombination aus schriftlicher Erhebung und GPS-Tracking in Form eines innovativen Mobilitäts-Aktivitätstagebuches. Die Entscheidungssituationen zur Messung der Präferenzen werden ein breites Spektrum an Wahlmöglichkeiten umfassen, um Änderungen von Aktivitätenmustern besser verstehen und modellieren zu können. Folgende Arbeitspakete sind geplant:

  • Erweiterung und Weiterentwicklung vorhandener Ansätze zur Modellierung von Zahl, Dauer, Typen und Abfolge von außerhäuslichen Aktivitäten auf Basis aktueller und anspruchsvoller verkehrsökonomischer Theorien;
  • Erstmalige Schätzung der Werte einzelner Komponenten der Reisezeiten in Österreich;
  • Weiterentwicklung der Methoden zur Messung von Zeitnutzung unter Verwendung von  innovativen GPS-Technologien zur Aufzeichnung von Positionen, Geschwindigkeiten, Beschleunigungen und Routen;
  • Erarbeitung, Test und Durchführung einer Stated-Response Befragung zur Erhebung von Änderungen täglicher Aktivitätenmuster in Reaktion auf geänderte Kostenstrukturen;
  • Evaluierung der beobachteten Veränderungen durch Integration der entwickelten Modelle und Daten in die agentenbasierte Verkehrssimulation MATSim (Multi-Agent Transport Simulation).

Das Projekt generiert neue erhebungsmethodische Erkenntnisse im Bereich der bekundeten und offenbarten Präferenzen. Die folgenden zwei wichtigsten Ergebnisse sind auf inhaltlicher Seite zu erwarten:

  • die erstmalige Schätzung von Werten für die Bewertung von Reisezeiten in Österreich, die explizit mit einer dafür erhobenen empirischen Datenbasis modelliert werden; sowie
  • umfassende und maßnahmensensitive Modelle zur Abbildung von täglichen Aktivitätenmustern.

PASTA - Physical Activity through sustainable transport approaches

Ziel des Projekts PASTA – eingereicht im Rahmen des FP7 HEALTH Calls der Europäischen Union – ist die systematische Evaluierung und Förderung aktiver Mobilität wie zu Fuß gehen und Radfahren (auch in Verbindung mit der Nutzung des Öffentlichen Verkehrs) unter dem Gesundheitsaspekt, körperliche Aktivität im täglichen Leben jedes einzelnen Individuums zu initiieren und zu integrieren. Unter dieser Prämisse werden in sieben europäischen Teststädten Maßnahmen und Initiativen zur Förderung aktiver Mobilität untersucht und unter Entwicklung eines anwenderfreundlichen Bewertungsinstrument (HIA-Tool „Health Impact Assessment“) im Hinblick auf gesundheitliche und wirtschaftliche Auswirkungen evaluiert.
ExpertInnen und ForscherInnen aus den Bereichen Gesundheit, Mobilität und Nachhaltigkeit (WHO, POLIS network, mehrere Universitäten etc.) aus acht europäischen Ländern sind am Projekt beteiligt, bei dem auch Partner aus der Politik, von Behörden und regierungsunabhängigen Organisationen hinzugezogen werden, um gemeinsam die positiven Aspekte aktiver Mobilität anhand einer fundierten Evaluierung zu erarbeiten.

ULTIMO - Identifizierung von multimodalen Lebensstilen mit innovativen Erhebungstechnologien

Der Wandel in der Mobilitätskultur macht es immer wichtiger, multimodale Verkehrsangebote hinsicht-lich ihrer Effizienz zu beurteilen, doch dazu fehlen bislang zwei Voraussetzungen: Daten zum Langzeit-Mobilitätsverhalten über mind. eine Woche sowie ein Verfahren zur Multimodalitätsanalyse in diesen Daten. Nun findet erstmals in Österreich eine solche Langzeiterhebung im Rahmen eines FWF-Projektes statt. ULTIMO möchte die Gelegenheit nutzen, um diese Voraussetzungen herzustellen: (i) ein Verfahren zur automatisierten Erkennung der Wegezwecke aus GPS-Trajektorien, um automatisierte und belastungsfreie Langzeiterhebungen des Mobilitätsverhaltens zu ermöglichen; sowie (ii) ein Verfahren zur Analyse der Wechselwirkungen zwischen multimodalen Verkehrsangeboten und deren Nachfrage.