Verkehrsplanung


Verkehrsplanung

Vielfältige verkehrsplanerische Herausforderungen sind künftig zu bewältigen. Vor allem urbane Räume sind durch starkes Wachstum geprägt, finanzielle und natürliche Ressourcen werden knapper, unsere Gesellschaft altert, das Verkehrsangebot wird vielfältiger und das Mobilitätsverhalten ist immer weniger durch sehr regelmäßige wie z.B. berufliche Wege geprägt, die Senkung von Zahl und Schwere von Verkehrsunfällen ist eine wichtige Aufgabe. Wir arbeiten an der Gestaltung neuer Verkehrsangebote zur Bewältigung dieser Herausforderungen mit Schwerpunkten auf dem urbanen Raum sowie den aktiven Mobilitätsformen zu Fuß Gehen und Radfahren.

Laufende Projekte:

Aktive ArbeitnehmerInnen durch Neuordnung des Arbeitszeitregimes (active2work)

Unter dem Projekttitel active2work wird die Machbarkeit einer Neuordnung derzeitiger Arbeitszeitregelungen auf Basis der Gesamtbetrachtung der Arbeits- und Arbeitswegezeit überprüft.
Ziele sind die
(1) Aufwertung aktiver, finanziell leistbarer, gesunder, nachhaltiger Mobilitätsformen sowie die
(2) Entschleunigung von Arbeitswegen als wesentliche Beiträge zu Mobilitätswende und Dekarbonisierung.
Die zentrale Idee von active2work ist, dass die Summe aus Arbeits- und Mobilitätszeit (für Arbeitswege) über alle Modi in etwa gleich sein sollte, um modale Chancengleichheit‘ zu ermöglichen und aktive Verkehrsmodi aufzuwerten.
In active2work wird ein ‚new deal‘ durch eine Reduktion der Arbeitszeit um die zusätzlich aufzuwendende Mobilitätszeit bzw. je nach Arbeitszeitmodell mittels alternativer Ausgleichsmöglichkeiten zwischen ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen konzipiert und dessen Machbarkeit überprüft.
Mit einem derartigen Paradigmenwechsel ist die Erwartung verbunden, die Akzeptanz und Inanspruchnahme aktiver Verkehrsmodi wesentlich und nachhaltig zu verbessern.

AKTIV - GESUND zu Kindergarten und Schule (AKTIV - GESUND)

Die Förderung eines aktiven Lebensstils beugt gesundheitlichen Beschwerden vor und ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine positive Entwicklung im Kindesalter. Vor allem der Kindergarten- und Schulweg weist hohe Potenziale zur Integration täglicher Bewegung auf. Um den Anteil aktiver Mobilität auf diesen Wegen zu steigern, werden in Wien von diversen Akteuren verschiedenste Programme für Schulen und Kindergärten angeboten. Da diese untereinander meist nicht vernetzt sind, keine übergeordnete Koordination aufweisen und in Bezug auf eine nachhaltige Änderung des Mobilitätsverhaltens nicht standardisiert evaluiert werden, sind der Ressourceneinsatz und der Erfolg kaum messbar. Ziel dieses Projekts ist es, das bestehende Angebot in Wien zu erheben und zu evaluieren, qualitative Standards festzulegen und diese anhand von Pilotprojekten zu testen. Als Ergebnis des Projekts soll das Programm „Aktives und gesundes Mobilitätsmanagement für Wiener Kindergärten und Schulen“ entwickelt werden, welches einen erleichterten Zugang zu den verschiedenen Programmen ermöglicht und einen optimalen Ressourceneinsatz gewährleistet.
Für die Erarbeitung des Programms werden sowohl bestehende als auch neue, innovative Maßnahmen, die den Gesundheitsnutzen von aktiver Mobilität hervorheben, berücksichtigt. Dabei wird die bereits in anderen Städten sehr erfolgreiche Aktion „Beat the Street“ erstmals in Wien als Pilotversuch von DDBVB Dopplinger & Dopplinger GesmbH organisiert. Zusätzlich wird die „Kindergarten-Mobilitätsbox“ der Mobilitätsagentur Wien als Pilotprojekt durchgeführt. Über die Einbindung der lokalen Kindergärten und Schulen sollen durch die Kinder in weiterer Folge Eltern und Familienmitglieder zu mehr gemeinsamer Bewegung im Alltag motiviert werden. Das Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur Wien setzt das Projekt über einen Zeitraum von 24 Monaten, beginnend im September 2017, um. Es erarbeitet dabei das Programm und beauftragt bzw. evaluiert die Pilotprojekte. Die Mobilitätsagentur kofinanziert das Projekt als Fördergeber und stellt ihre Expertise, entsprechende Kontakte sowie Informations- und Workshopangebote zur Verfügung.

Entwicklung eines Konzepts zur Förderung nachhaltiger Mobilität im ländlichen Raum bei Familiengründung (ANFANG)

In sogenannten Lebensumbruchs-Phasen, wie z.B. der Geburt eines Kindes, verändern Personen ihr Mobilitätsverhalten. Nachhaltiges Mobilitätsverhalten wird zugunsten des motorisierten Individualverkehrs aufgegeben. Daten über die tatsächliche Veränderung des Mobilitätsverhaltens bei Familiengründung in Österreich sind jedoch kaum erhoben. In Deutschland zeigte sich, dass besonders Rad- und Fußwege zurückgehen, wenn Kinder im Haushalt leben – die Sorge um die Sicherheit der Kinder bzw. die Unsicherheit über den Komfort lässt aktive Mobilitätsformen unattraktiv erscheinen. Auch die Länge der Wege und die Anzahl der zusätzlichen Wege, die für Kinder zurückgelegt werden (Arzttermine, Freizeitwege etc.), stellen für Erwachsene eine Barriere dar, diese Wege mit Kindern zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegen. Der Umstand, dass Familienmobilität oft gleichgesetzt wird mit Automobilität, ist neben der Tatsache, dass es mitunter kaum „familienfreundliche“ Angebote gibt, auch auf mangelnde Information über bestehende Angebote, sich mit Kindern körperlich aktiv fortzubewegen, zurückzuführen.
Während im städtischen Umfeld unterschiedliche Maßnahmen zur Förderung aktiver Mobilität zunehmend in den Blickwinkel der Forschung und Planung rücken, scheint der ländliche Raum von dieser Entwicklung noch relativ unberührt zu sein. Um diesem Umstand nachhaltig entgegenzuwirken, zielt das F&E Projekt ANFANG auf eine Förderung des zu Fußgehens, des Radfahrens und der Nutzung des Öffentlichen Verkehrs bei Alltagswegen von Familien mit Kleinkindern im ländlichen Raum ab. Zu diesem Zweck wird im Projekt ANFANG ein Konzept auf Meta-Ebene, welches auf exemplarische Gemeinden angewendet wird, zur Förderung einer nachhaltigen und familienfreundlichen Mobilität, entwickelt. Mittels Interviews mit (werdenden) Eltern und Workshops mit Anbietern von Mobilitätsservices und politischen EntscheidungsträgerInnen werden die notwendigen Daten erhoben. Das entwickelte Meta-und adaptierte ANFANG-Konzept umfassen (i) die Wünsche und Barrieren sowie die Potentiale und Hemmnisse für nachhaltige Familienmobilität von (werdenden) Eltern, (ii) die Potenziale und Barrieren für multimodale Fortbewegung, (iii) die am Markt vorhandenen nachhaltigen Mobilitätsangebote für (werdende) Familien sowie (iv) Lösungsansätze, wie konkret nachhaltige Familienmobilität in den Gemeinden gefördert werden kann. Das ANFANG-Konzept steht einer Vielzahl von AkteurInnen (wie Gemeinden oder lokalen Unternehmen) für die weitere Verwertung zur Verfügung. Um eine gemeinsame Mobilitätswende und Dekarbonisierung erreichen zu können, sind Maßnahmen, die eine Förderung aktiver Mobilitätsformen forcieren von wesentlicher Bedeutung. Neben dem positiven Effekt auf die Gesundheit, trägt die Förderung aktiver Mobilität bedeutend zur Erreichung der UN-Klimaziele von Paris bei.

Beispiele guter Praxis für Aktive Mobilität in Schule, Betrieb und Gemeinde (Models 2)

Aufbauend auf den Ergebnissen des vom Institut für Verkehrswesen, BOKU im Auftrag des FGÖ bearbeiteten und Ende 2017 abgeschlossenen Projekts „Models of good practice. Aktive Mobilität in Schule, Betrieb und Gemeinde“ werden in diesem Folgeprojekt ergänzende Recherche zu Maßnahmen, Kampagnen und Interventionen zur Förderung aktiver Mobilität (zu Fuß gehen und Rad fahren, Setting Schule auch Roller) in Schulen, Gemeinden und Betrieben durchgeführt. Die Ergebnisse werden systematisiert, eine kriteriengestützte Auswahl von praxisrelevanten Maßnahmen für alle drei Settings getroffen und in drei Broschüren dokumentiert. Die Ableitung von Erfolgsfaktoren und konkrete Handlungsansätze für die Praxis sind dabei von besonderer Bedeutung.

Was geht ab? - Mobilität als Schlüssel zur transdisziplinären Bewusstseinsbildung von Kindern und Jugendlichen (Was geht ab?)

Das Projekt „Was geht ab?“ untersucht die Gestaltung des Verkehrssystems im urbanen Schulumfeld aus der Perspektive der umweltfreundlichen, aktiven und sicheren Mobilität. Darin sind multimethodische Aktivitäten und Kampagnen für diese nachhaltige Mobilität aller SchülerInnen, Elternteile und des Lehrkörpers integriert (Entwicklung einer schulspezifischen Mobilitätsstrategie). Den SchülerInnen werden die eigenen individuellen Bedürfnisse sowie die von mobilitätsbeeinträchtigen Personengruppen im Sinne einer inklusiven Mobilität in Form von Experimenten vermittelt. Dadurch lernen SchülerInnen das Thema „Mobilität“ breit und fächerübergreifend im Kontext von Umwelt, Gesundheit und Technik zu begreifen. Ein zentrales Ergebnis dabei ist eine digitale, interaktive Karte „Was geht ab?“, um raumbezogene Themen sowie Informationen zu visualisieren. Link zur externen Homepage: www.was-geht-ab.at

CREATE - Congestion Reduction in Europe: Advancing Transport Efficiency

European cities are facing challenging times and some major policy dilemmas. Encouraging economic growth is seen as the key driver to achieving a wide range of policy objectives, such as raising living standards and improving the well-being of citizens; but historically this has led to a growth in car ownership and use, and consequential increases in urban road traffic levels. These increases, in turn, are associated with a range of negative economic, social and environmental impacts, including traffic congestion, traffic accidents, social exclusion and community severance, dangerous levels of air and noise pollution, and rising CO2 emissions. Congestion costs are estimated at around 100bn euros per annum across the EU, and are projected to grow 50% by 2050. Recently, however, some economically advanced European cities appear to have been successful in decoupling economic growth from traffic growth – and in the process have been able to offer urban living environments that are cleaner and less congested, while maintaining increases in living standards. Cities such as London are experiencing growth in population and rising incomes, while at the same time observing reductions in car ownership and car use – the so-called ‘peak car’ effect. Such cities are succeeding in reducing traffic dominance and are becoming very attractive places for both residents and visitors, and are rated very highly in international satisfaction surveys.
But why have some cities been able to achieve this turnaround while others have not, and what lessons can be drawn for other parts of Europe? To answer this fundamental question, CREATE has brought together a team of internationally leading experts with a variety of specialist skills and experiences. This includes a group of five European capital cities (Berlin, Copenhagen, London, Paris, Vienna), and their surrounding regions, each of which has managed to reduce the car driver modal shares of trips in recent decades. Working with leading analysts, and a major provider of real-time traffic data in many European and North American cities, derived from GPS tracking of motor vehicles, the project will explore changing patterns of road traffic and car use, success factors behind the observed decreasing modal shares of car traffic (e.g. technical, political, economic and social) and lessons learnt. It will work with a group of five city partners in Eastern Europe and the Euro-Med countries (Adana, Amman, Bucharest, Skopje and Tallinn) which are still grappling with rapid increases in car ownership and use and growing traffic congestion, and then disseminate and exploit these findings more widely through a major European city network.

REFRESH - Klimawandel: Chancen und Herausforderungen für agglomerationsnahe Tourismusdestinationen (REFRESH)

Infolge der Klimaerwärmung ist mit Veränderungen im Tourismus in vielfältiger Hinsicht zu rechnen: zunehmende Hitzetage und abnehmende Schneesicherheit sind nur zwei Beispiele dafür. Sowohl die Urlaubsdestinationen sind von den klimawandelbedingten Auswirkungen betroffen, als auch die Quellgebiete, allen voran urbane Räume. Erste Studien zeigen, dass die Zunahme an Hitzetagen und Tropennächten zu mehr Kurzurlauben und Ausflügen von hitzegeplagten Stadtbewohnern und Stadtbewohnerinnen in die kühleren agglomerationsnahen Regionen führen. Die agglomerationsnahen Bergregionen der östlichen Ausläufer der Alpen sind selbst von strukturellen Veränderungsprozessen, ausgelöst u.a. durch den Klimawandel, betroffen. Schneearme Winter, Wegfall von Förderungen, sich verändernde touristische Nachfrage usw. stellen diese Bergregionen vor die Herausforderung der Umorientierung. Als potentielle Zielgebiete einer steigenden Nachfrage im Sommer durch StadtbewohnerInnen eröffnen sich ihnen neue Wege der touristischen Wertschöpfung und Positionierung. Es gilt, diese aus dem Blickwinkel von Klimawandelanpassung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu betrachten.

Das Projekt REFRESH widmet sich der Frage nach dem potentiellen Reise- und Urlaubsverhalten hitzegeplagter StädterInnen, ihren wahrgenommenen Handlungsoptionen sowie die Einstellungen und Werten, die hinter ihren touristischen Handlungen liegen. Das zentrale Ziel ist es, dass intendierte Verhalten abzubilden, Entwicklungsrichtungen zu identifizieren und darauf aufbauend in einem partizipativen Prozess praxisnahe und zukunftsfähige Strategien für agglomerationsnahe Bergregionen zu erarbeiten. Im Konkreten werden gemeinsam mit Vertretern und Vertreterinnen zweier Berggebiete sowie aus dem übergeordneten Tourismussektor Strategien für nachhaltige touristische Profile entwickelt, die neben der Anpassung der touristischen Ausrichtung an klimawandelbedingte und strukturelle Veränderungen auch Klimaschutzaspekte integrieren. Vor dem Hintergrund des Klimaschutzes ist neben der lokalen Angebotsstruktur das Thema der An- und Abreise von Gästen sowie die Mobilität in der Tourismusregion ein wichtiger Aspekt. Die Berücksichtigung der Mobilität bei der Entwicklung touristischer Angebotsstrukturen ist auch vor dem Hintergrund des sinkenden Motorisierungsgrades der städtischen Bevölkerung relevant.

WISE-ACT: Wider Impacts and Scenario Evaluation of Autonomous and Connected Transport (WISE-ACT)

Versuche mit Autonome Fahrzeug (AV) finden derzeit weltweit statt, und Europa spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung relevanter Technologien. Es gibt jedoch nur sehr begrenzt Untersuchungen zu den systemischen Auswirkungen des Einsatzes solcher Fahrzeuge in der bestehenden Straßeninfrastruktur, da unklar ist, ob und wann die Übergangsphase beginnt und endet.

Es wird davon ausgegangen, dass der Hauptnutzen einer weitverbreiteten Nutzung von AV verbesserte Erreichbarkeiten und erhöhte Verkehrssicherheit sind, weitere Nutzen einen verringerten Energieverbrauch, eine verbesserte Luftqualität oder eine bessere Nutzung des Stadtraums umfassen können. Der Schwerpunkt dieser COST-Aktion liegt daher auf beobachteten und erwarteten zukünftigen Mobilitätstrends und Auswirkungen auf das Reiseverhalten, insbesondere Carsharing, Reisezeitnutzung oder Wohnortwahl, um nur einige zu nennen. Andere wichtige Aspekte, die unter verschiedenen Einsatzszenarien untersucht werden müssen, sind soziale, ethische, institutionelle und geschäftliche Auswirkungen.

Um dies zu erreichen, muss die Zusammenarbeit zwischen einer Vielzahl von Akteuren auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene, einschließlich Akademikern und Praktikern, forciert werden. Folglich wird diese COST-Aktion die Zusammenarbeit zu diesem aufkommenden Thema von globalem Interesse in Europa und darüber unterstützen.